31.07.2013| Kunstmuseum Ravensburg

Das im November 2012 fertig gestellte Kunstmuseum Ravensburg ist sozusagen brandneu. Und doch wirkt es so selbstverständlich im dichtbebauten, mittelalterlich geprägten Stadtzentrum von Ravensburg, als ob es dort schon seit langer Zeit stehen würde.

Das Stuttgarter Büro Lederer Ragnarsdóttir Oei hat den Wettbewerb mit einem Grundriss gewonnen, der auf dem kleinen Grundstück eine maximale Ausstellungsfläche ermöglicht. Die daraus resultierende kompakte Gebäudeform hätte in ihrem Umfeld leicht problematisch werden können. Doch durch die Verkleidung mit der rauen, weitgehend geschlossenen Mauerwerksschale wirkt der Neubau geradezu „historisch“. Das Tonnendach und die Notentwässerung über Wasserspeier unterstreichen diesen Eindruck zusätzlich.

Die Ziegel des Mauerwerks sehen übrigens nicht nur alt aus. Sie sind es auch. Der Architekt Arno Lederer hat die handgefertigten „Secondhand“-Ziegel, die aus einem alten belgischen Kloster stammen, ganz bewusst ausgewählt. „Wir wollten ein Haus bauen, das sich der aktuellen Diskussion entzieht, ob ein Gebäude durch die Modernität einen Kontrast erzielt oder so tut, als wäre es über ein Jahrhundert alt“, erklärt das Stuttgarter Büro LRO.

Die historischen Backsteine schmücken nicht nur die Außenfassade. Als Höhepunkt der Innenraumgestaltung tauchen sie an einem asymmetrischen Kappengewölbe im zweiten Obergeschoss nochmals auf. Hinter der fast mittelalterlich wirkenden Fassade verbirgt sich übrigens eine 24 cm starke, hinterlüftete Wärmedämmung. Auch im Haus gibt es weitere modernste Gebäudetechnik; denn trotz seiner geringen solaren Gewinne ist das Kunstmuseum Ravensburg das „erste Passivhaus-Museum weltweit“.